Klettersteig und Wandern in Tschechien am 26. Juli 2026

Das Wetter war ein Traum und die Landschaft drumherum war es auch. Der Ascher Zipfel hat noch nie enttäuscht. 

Seit kurzem, wenn man die ca. 16 Monate so bezeichnen darf, gibt es nun dort auch einen Klettersteig an einem Felsen im Nordhang des Hainberges. Groß ist er ja nicht, dieser "Teufelsfelsen", dementsprechend kann auch der Klettersteig nicht groß sein. Aber groß war das Bemühen der Erbauer, das Maximale herauszuholen aus diesem Schieferbrocken. Ringsum eingesponnen wurde er mit Drahtseilen, auch dem Vorblock wurde eine Traverse gegönnt und sogar eine Seilbrücke ist mit untergebracht worden. Damit kann man immerhin 80 Kletter-Meter dort labyrinthartig absolvieren. 

Angegeben mit "obtížnost" A/B ist diese Schwierigkeitsangabe m.E. getreu tschechischer Manier etwas untertrieben. Dank der vielen Abzweigungen und Ausstiegsmöglichkeiten kann man bei Bedarf jedoch auch problemlos Stellen auslassen. Für Kinder und Anfänger ist die Anlage sehr gut geeignet, auch weil es nicht wirklich hoch, ausgesetzt und unübersichtlich ist. 

Bemerkenswert ist noch eine Besonderheit am Fels. An seiner Nordostecke befindet sich ein kleines Felsenfenster, das durch Erosion entstanden ist. Es ist das einzige, das in diesem Gestein in Mitteleuropa bekannt ist. Entsprechend groß war auch die Aufregung unter den Geologen, als der Klettersteig eingerichtet wurde und diese Einmaligkeit drohte, durch die Kraxler kaputtgetreten zu werden. Gottlob fand man aber einen Kompromiss. An besagter Stelle wurde die Wegführung nochmals geändert und nun bleiben die Füße oberhalb dieses sensiblen Bereiches. Es geht also, wenn man will! Zumindest in unserem Nachbarland. 

Wenn man sich nur mal die unmittelbare Umgebung des Hainberges anschaut, kann man als Deutscher schon etwas neidisch werden. Da ist dieser Klettersteig, es gibt mehrere Mountainbike-Strecken mit eingebauten Schikanen und Brücken, der Aussichtsturm auf dem Gipfel, das Skigebiet mit seinen zwei Liftanlagen, die Loipen mit ihren perfekten Ausschilderungen, Waldspielplätze für die Kinder, die frei begehbare und trotzdem gepflegte Burgruine in Podhradí... Daß die Rad- und Wanderwegausschilderung in Tschechien der unsrigen weit überlegen ist, brauche ich hier gewiss nicht extra erwähnen. So funktioniert eben der Tourismus in unserem Nachbarland. 

Die Angebote (und Parkmöglichkeiten) sind meist kostenlos oder zumindest ohne Baggerschaufel an der Geldbörse. Wenn ich mir auf deutscher Seite allein das Drama mit dieser einen unterspülten Fußgängerbrücke zwischen Lochbauer und Barthmühle vor Augen führe oder daran denke, daß die einzige sichtbare Veränderung an der Göltzschtalbrücke seit Jahren das Aufstellen von Parkscheinautomaten ist, dann stellen mir sich so einige Fragen... Aber das ist nur meine persönliche Meinung! 

Also zurück zu Thema "Klettersteig und Wandern in Tschechien am 26. Juli 2026": Wir acht Personen (=ideale Gruppengröße) trafen uns direkt in Podhradí auf dem videoüberwachten und dennoch kostenfreien (da haben wir es wieder!) Parkplatz unterhalb der alten Schule. Pflichtprogramm ist dort dann immer die Besichtigung der alten Burganlage und des alten Brauereikellers, danach ging es vorbei an einer kleinen, wunderschönen Kapelle hoch zum Teufelsfelsen. Dort angekommen liefen wir einer geologischen Exkursion -den Hütern des oben erwähnten Felsenfensters- direkt in die Arme. Sie zauberten aus einem ihrer Rucksäcke kleine edle Porzellanschälchen und spendierten uns allen eine Kostprobe einer erlesenen Teespezialität (grüner Tee kalt mazeriert). Vielen Dank! 

So gestärkt bekletterten wir nach Herzenslust den Felsen in allen erdenklichen Richtungen und Varianten. Danach führte uns der Weg auf den Hainberggipfel. Die Besteigung der Bismarksäule ist natürlich auch Pflichtprogramm. Deren Aussicht ist aber auch grandios! Sogar Schöneck war deutlich zu erkennen - um ein Haar hätte Familie Schmied vor Heimweh feuchte Augenwinkel bekommen ... Also schnell wieder runter und in Richtung Dolní Paseky abgestiegen, dabei Durst bekommen und bei Jitka Kotalová gegenüber des Friedhofes eingekehrt. Wenn man statt Luxus und Etepetete familiäre Atmosphäre und wahre Gastfreundschaft erleben möchte, sollte man genau dort einkehren. Mit etwas Glück gibt der dreijährige Tomášek (ich nenn' ihn jetzt einfach mal so) wieder aus seiner Tüte Popkorn jedem eine Kostprobe. Wir hatten das Glück! 

Weiter führte uns der Weg entlang des tschechischen Kammweges "Hřebenovka" hinunter nach Dolní Paseky in das Tal der jungen weißen Elster. Ob in dem kleinen Ort das Steinkreuz, der Mineralbrunnen oder aber die "Samoobslužný bar" die Hauptattraktion ist, konnten wir nicht klären. Ersteres wurde zwar schon 1897 erwähnt, war aber dann lange Zeit verschollen und ist erst 1992 wiedergefunden worden. Ob ein Schluck aus dem Mineralbrunnen nun der Manneskraft zuträglich ist oder nicht, bleibt nach wie vor ungewiss, zumindest hier an dieser Stelle. 

Das dritte Highlight, diese Selbstbedienungsbar, ist zweifellos die neueste Einrichtung: Ein Korb mit Getränken im Bach, vom Elsterwasser stetig gekühlt und daneben eine Kasse des Vertrauens, an der sogar online bezahlt werden kann(!). Die Erlöse aus dem Verkauf werden übrigens an die Organisation "Menschen in Not" gespendet. 

Von Dolní Paseky aus waren dann nur noch wenige Kilometer bis zu unserem Startpunkt zurückzulegen. Bei bestem Wetter und genau zur Abendessenszeit kamen wir in Podhradí an. In bzw. vor der "Alten Schule" fanden wir Platz und gute böhmische Küche. Ein schöner Tag ging zu Ende.

[schumi]

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