Im Bann der Königin der Dolomiten
Unsere inzwischen 22 Alpen-Hüttentour führte uns ins Reich der Marmolada. Trotz der Ausfälle einiger regelmäßiger Mitstreiter fand sich wieder eine schlagkräftige Truppe von 11 Bergfreunden zusammen. Besonders für mich – mein Enkel Philipp wohnhaft im Rheinland - war mit von der Partie.
Eine problemlose Anfahrt brachte uns in den kleinen Ort Penia bei Canazei, dem Endpunkt der Wanderung. Von hier fuhren wir mit dem Bus über den Fedaja-Pass nach Malga Ciapella, dem Startpunkt am Ostfuß der Marmolada. Erschreckend zu sehen, wie weit sich der Gletscher am Nordhang des Berges seit 25 Jahren zurückgezogen hat.
Der Bustransfer hat am Ende gut geklappt und so konnten wir gegen 15.30 in Malga Ciapella die Wanderung beginnen. Der Campingplatz von M.C. lud zu einer Stärkung ein. Dies wurde von allen angenommen. Dann ging es an die 600 m hinauf zur Falierhütte. Bis zur Hütte führte der Weg fast ausschließlich durch Wald. Erst dort konnten wir die ersten Blicke auf die Marmolada-Wand und deren Umgebung werfen.
Am Mittwoch 8.30 Uhr wurde der nächste 600 m Aufstieg zum 2700 m hohen Ombrettapass in Angriff genommen. Jetzt konnte bei freier Sicht auch die Umgebung bestaunt werden. Rechter Hand wuchs die gewaltige Marmolada-Südwand empor, durchgehend zwischen 600 und 800 m senkrechter Fels und links schroffe, meist auch senkrechte Berge. Jens und Marco stiegen vom Ombrettapass aus auf den 3011 m hohen Ombretta Orientale und von dort über einen Klettersteig ins Tal zum Contrinhaus ab. Am Pass entschieden sich Sieglinde, Detlev und Volker zum Contrinhaus abzusteigen. Birgit, Claudia, Sven, Günter, Philipp und ich wollten versuchen, ebenfalls auf den Ombetta Orientale zu steigen, aber wieder zum Pass zurückzukehren. Die ersten ca. 100 m war gutes, festes Felsgelände, zur Hälfte sehr gut mit Drahtseilen versichert. Dann begann wieder die nervende Geröllhatscherei. Am Grat auf fast 3000 m Höhe angekommen entschieden wir uns nach kurzer Rast nicht bis zum Gipfel zu gehen. Die Aussicht war auch von hier überwältigend. Direkt gegenüber die riesige Marmoladawand. Gen Osten ging der Tiefblick hinunter bis Malga Ciapella. Dahinter die markanten Dolomitenbastionen von Scorapis, Monte Pelmo, Antelao und die düstere Nordwand der Civetta. Links an der Königin vorbei Rosengarten, Schlern- und Langkofel- und Sellamassive.
Über den Abstieg gibt es nicht viel zu erzählen, über viele hundert Meter feines Geröll.
Das Contrinhaus bot eine Überraschung. Ohne den Charakter einer Hochgebirgshütte verloren zu haben, bot es fast Hotelkomfort.
Über die Hüttenabende muss ich nicht viel berichten. Wie immer war Lachen Trumpf, auch wenn Hannes leider fehlte.
Am Donnerstag bestiegen Birgit, Claudia, Jens, Marco, Günter und Sven den 2670 m hohen Col Ombert, der sich westlich der Marmolada erhebt. Sie waren von der Aussicht über weite Bereiche der Dolomiten begeistert. Ich wanderte mit Philipp auf einem wunderschönen Almweg zum Rifugio San Nicole. Auch von hier eine herrliche Aussicht. Am Nachmittag waren alle wieder vereint im Contrinhaus.
Am Freitag stand dann der 2-stündige Abstieg und die mit üblen Staus gespickte Heimfahrt an.
Abschließend kann ich sagen, dass diese Tour eine der schönsten und eindrucksvollsten war. Sicher auch bedingt durch das wunderbare Wetter.
Nächstes Jahr ist Jens wieder dran zu organisieren. Man darf gespannt sein, was er sich einfallen lässt. Jedenfalls – Jens hat einen Plan und man kann davon ausgehen, dass der besser ist als die von Egon Olsen.
Hans-Joachim Winzer










